Katharina Gruzei

Bodies of Work, 2017

„Arbeit“ ist ein wiederkehrendes Thema in den Werken der Künstlerin Katharina Gruzei. Österreichs letzte Donau-Schi swerft ist der Ausgangspunkt für ihre Fotoserie „Bodies of Work“. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren begleitete sie das Linzer Unternehmen mit ihrer Kamera und erarbeitete eine umfassende Serie, deren fotografischer Befund weit über einen dokumentarischen Ansatz hinausreicht.

In ihren Bildern verwandelt die Künstlerin die vorgefundene Arbeitswelt in teils schwerelos wirkende und an Science-Fiction erinnernde Szenarien. Sie zeigt wie die Arbeiterkörper und das Werkstück im Fertigungsprozess miteinander verschmelzen. Die Körper der Arbeiter werden prothesenhaft durch Technologie ergänzt und so zum Verhandlungsort für die stets aktuellen Diskurse um die Veränderung von Arbeit. „Gerade die Schutzkleidung der Arbeiter erinnert an die Verwundbarkeit des menschlichen Körpers und damit an die Fantasie, die Arbeit von Maschinen, Robotern und zukünftig von Cyborgs verrichten zu lassen.“ (Zitat Katharina Gruzei) Die präzise komponierten Fotogra en verschränken unterschiedliche Zeitlichkeiten: sie greifen die Anachronismen des fast 180 Jahre alten Betriebs auf und lassen zugleich eine Nähe zur Ästhetik der Raumfahrt durchscheinen. Außerhalb der Betriebszeiten, wenn sich die Dunkelheit über das Firmenareal legt und der Lärm der Maschinen verhallt, zeigen sich die Motive in einem anderen Licht. Fremdartig wirkende Szenarien erweitern in Gruzeis Fotoserie den repräsentierten Realitätsausschnitt um neue Zeit- und Raumbezüge.

Kurzbiografie Künstlerin

Katharina Gruzei, geboren 1983 in Klagenfurt, lebt und arbeitet in Linz und Wien. Sie arbeitet als freischaffende Künstlerin in den Medien Fotografie, Video, Film, Sound und Installation. In ihren künstlerischen Arbeiten spürt sie gesellschaftlichen Tendenzen nach und widmet sich soziokulturellen Themen. Ein weiterer Schwerpunkt sind ihre Arbeiten im öffentlichen Raum, die sie meist ortsspezifisch umsetzt.

Katharina Gruzei studierte Bildende Kunst und Kulturwissenschaft an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz. Auslandsstudien absolvierte sie am Art Department der University of California in Santa Barbara und an der Universität der Bildenden Künste Berlin in der Meisterklasse für Cultural Visual Studies bei Katharina Sieverding.

Ihre Werke werden in internationalen Ausstellungen, Biennalen und Festivals gezeigt, sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Auslandsstipendien erhielt sie für Los Angeles, Paris, Moskau, New York und Tokio.

www.katharinagruzei.com
www.katharinagruzei.com/bodies-of-work

Werner Feiersinger

Bildhauer und Fotograf, lebt in Wien. Feiersinger studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und an der Jan van Eyck-Akademie in Maastricht. Gastprofessuren an der Universität für angewandte Kunst Wien und an der École nationale supérieure des beaux-arts de Lyon. Feiersinger hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, u.a. im Belvedere 21, Wien; Fotohof Salzburg, Secession, Wien; Salzburg Museum; Wien Museum; mumok, Wien; MAK, Wien; De Appel Foundation, Amsterdam; Fundació Antoni Tàpies, Barcelona; MQ Freiraum, Museumsquartier, Wien; und in der Galerie Martin Janda, Wien. Er realisierte international Projekte im öffentlichen Raum.

Werner Feiersinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gebäuden der Moderne. Seine Fotografien durchlaufen wie seine Skulpturen einen Transformationsprozess, reflektieren die bildhauerische Arbeit und bilden gleichzeitig deren Gegenpart.

In Feiersingers Fotografien steht nicht das Dokumentarische im Vordergrund, sondern die Betrachtung des Motivs aus seiner spezifischen Perspektive: auf die expressiv-skulpturalen Qualitäten der Bauwerke, Volumen, Körper, Strukturen, Materialien, Oberflächen und deren Verhältnisse zueinander. Feiersingers Auseinandersetzung mit Architektur geschieht einerseits in Form einer akribischen Recherche, andererseits ist sie gekennzeichnet durch einen freien Umgang mit dem Untersuchungsgegenstand.

Trude Lukacsek

SHAPES

In Trude Lukacseks Foto-Essay SHAPES sieht man ein Kajak an einem See, ein Paddelboot am Meer, ein Kanu an einem Fluss. Aber es ist auch eine schlanke spitze Form in orange vor hellgrün, gelb auf grau und rot auf braun.

Es ist ein umgedrehtes Fußballtor auf einer Wiese, ein Bademeistersitz am Strand, und Umkleidekabinen ohne Hülle. Für den Moment der fotografischen Betrachtung werden sie ihrer Funktion enthoben und werden zu erratischen Objekten. Ein Stück Zivilisation in der Natur.

Ob Boot oder Tor: es sind SHAPES/Formen in der Landschaft. Trude Lukacsek sammelt sie und setzt sie zueinander in eine Beziehung: In eine Beziehungsgeschichte über Farbe und Form.

Kurzbiografie

Geboren 1955 in Wien und seit den 1980ern fotografisch tätig. Dokumentation und Erforschung von verschiedensten alltagskulturellen Strukturen. Entstehung eines umfangreichen Foto-Archivs von Orten und Plätzen der urbanen und Freizeit-Kultur in Europa. In den letzten Jahren Konzentration auf Reduktion in Farbe und Form.

Trude Lukacsek geht es in ihrer fotografischen Arbeit um Spurensuche und Materialität, um Verbindungen und Räume. Sie kombiniert in ihrem Werk Ästhetik, Narration, Kulturhistorie und Ethnographie. Sie stellt Gegenstände des öffentlichen Raumes in einen Zusammenhang, zeigt ihre Bedeutungsebenen auf und gibt ihnen eine Geschichtlichkeit. Die fotografische Recherchetätigkeit Lukacseks dokumentiert Alltägliches an verschiedensten Orten Europas, wobei Parallelen und Einzigartigkeiten der Objekte sichtbar werden.