Nikolaus Korab
1963 in Wien geboren, lebt und arbeitet freischaffend in Wien und Niederösterreich
1982 Matura, anschließend Besuch der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt und der
Filmakademie Wien
1986-89 Kameraassistenz im Film bei Walter Kindler und Wolfgang Hackl
1998-2005 Lehrauftrag an der Universität für Angewandte Kunst, Wien (Meisterklasse Prof. Frohner)
2009-2014 Lehrauftrag an der Kunstschule Wien
seit 2014 Workshops an der New Design University, St. Pölten
seit 2020 Mitglied des Künstlerhauses Wien
- 1980 Beginn mit Fotografie (SW Kleinbild + Mittelformat 6x6)
- 1991 Beginn mit Großbildfotografie 4x5 inch
- 2006 Beginn mit Großbildfotografie 8x10 inch
Preise und Auszeichnungen:
- 1981 Jugendpreis der Ersten Ö. Sparkasse
- 1994 Kodak-Preis für Farbfotografie
- 2001 Preis des Österreichischen Buchhandels Die schönsten Bücher Österreichs
- 2008 Auszeichnung Photobook Award Die 22 besten Fotobücher 2007/08, Kasseler Fotoforum
Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen, u.a.:
- Kunstsammlung MUSA, Kulturabteilung der Stadt Wien
- Landessammlungen Niederösterreich, St. Pölten
- Museum der Moderne Rupertinum, Salzburg
- Museum für Gegenwartskunst Stift Admont
- Sammlung SpallArt, Salzburg
Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen:
Seit 1983 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u.a. Fotogalerie, Wien, Galerie Faber, Wien, Fotoforum Innsbruck, Galerie Hrobsky, Wien, Artmark Galerie, Wien, Galerie Göttlicher, Krems, Galerie Corona Unger, Bremen, Semperdepot, Wien, Kunstverein Horn, Eisenberger Fabrik, Gmünd, Künstlerhaus Wien, Landesgalerie Niederösterreich, Krems, Wien Museum MUSA, Belvedere, Wien, Leopoldmuseum, Wien, Museum der Moderne Rupertinum, Salzburg, Forum für Fotografie, Köln.
Fotobücher
Seit 1987 Auseinandersetzung mit dem Medium Buch als Thema der Fotografie. Bisher sind erschienen: Schreibtische österreichischer Autoren, Graz: Verlag Droschl 1987. wandzeichen bilderpaare, Graz, Wien: Verlag Droschl 1993. Zeitgenössische Kunstschaffende Österreichs. Portraits, Weitra: Verlag Bibliothek der Provinz 2000. Reise ins Innere, Weitra: Verlag Bibliothek der Provinz 2007. Bilderreise, Wien: Metroverlag 2009. Schattenlicht, Wien: Schlebrügge.Editor 2017. Nachts, Wien: Schlebrügge.Editor 2020.
Zum Werdegang und Werk
WEGE UND UMWEGE MIT DER FOTOGRAFIE
Die Vielfalt der Anwendungs- und Bildmöglichkeiten der Fotografie lässt es fast unmöglich erscheinen, für dieses Medium einen einheitlich-verbindenden Begriff zu finden. Diese Vielfältigkeit wurde auf der Ebene der Theorie noch durch die Diskussion, ob Fotografie Kunst sei, durch eine große Bandbreite an Positionen erweitert und, wie ich finde, aufgesplittert.
Bei meinen Wegen mit der Fotografie habe ich mich, vor allem in den ersten zehn Jahren meiner Auseinandersetzung mit diesem Medium, an konkreten Fragestellungen orientiert, die Antworten habe ich in den entstandenen Bildern gefunden. Die Fragen haben sich auf verschiedene Aspekte des fotografischen Bildes bezogen, wie die Bildkanten und der Bildausschnitt, die Rolle von Linien und Flächen im Zusammenhang mit der Oberfläche des Bildes und einiges mehr. Diese Überlegungen haben mir einerseits geholfen, einen eigenen Begriff des fotografischen Bildes zu erarbeiten, und gleichzeitig dazu geführt, dass sich aus der gerade bearbeiteten Thematik neue Fragen ergeben haben, die weitere Themenbereiche erschlossen haben. Das Bewusstsein, dass Licht als Träger des Bildes die wichtigste Rolle spielt, hat sich über all diese Jahre verstärkt. Eine weitere, eigene Weglinie haben Bilder von Menschen, und im Speziellen Porträts eingenommen. Da sich Bilder an Menschen richten, nehmen Menschen IN Bildern eine besondere Rolle ein (Bildnummern 5 bis 8).
Mein Weg dahin, dass Licht zum eigentlichen Thema des fotografischen Bildes werden kann, hat über einen Umweg, nämlich über die Dunkelheit geführt. Zunächst sind, eher durch Zufall oder aus einzelnen Situationen, ab dem Jahr 2010 Bilder mit reduzierten Lichtquellen entstanden (Bildnummern 9 und 10). Im Frühjahr 2014 habe ich, wieder durch einen Zufall, ein leerstehendes Gebäude mit sehr großen Dimensionen entdeckt. In diesem lagen Teile und Raumfluchten in Dunkelheit und in manche dieser leeren Innenräume drangen nur Spuren von Licht durch halbgeöffnete Fenster und Türen. Bei der folgenden Belichtungsarbeit habe ich die Bemerkung gemacht, dass sich Licht durch Schatten und Dunkelheit nicht nur darstellen, sondern auch emotional aufladen lässt, ähnlich wie im Bühnenraum eines Theaters.
In der Folge sind von 2014 bis 2020 zwei Serien mit Licht im Kontext mit Dunkelheit entstanden – jene Serie in den Innenräumen leerstehender Gebäude mit dem Titel Schattenlicht sowie die Serie Nachts im Rahmen von Nachtfotografie, die ich im Stadtraum von Venedig mit dem gegebenen Licht der Straßenbeleuchtung realisiert habe.
Im Herbst 2023 habe ich einen neuen Ansatz in der Auseinandersetzung mit der Thematik des Lichts gefunden. Hier bin ich von der Beobachtung ausgegangen, dass durch die Intensität des direkten Sonnenlichts Kontraste zu den Schattenbereichen entstehen, deren eigene Ästhetik eine direkte Entsprechung in der grafischen Auflösung des Schwarz-Weiß-Bildes findet. Um die Konzentration auf das Verhältnis von Licht und Schatten zu legen, arbeite ich mit einem möglichst reduzierten Bildaufbau. Es sind gänzlich unscheinbare Dinge wie die Strukturen von Hausmauern und Hauswänden, Gehsteigkanten und anderen Flächen, die ich verwende, um den Einfall von Licht und die Haptik von Lichtstrukturen darzustellen.
So wichtig mir alle Fragen des Bildaufbaus und der Bildgestaltung sind, so sehr nimmt die emotionale Ebene letztendlich die entscheidende Rolle ein. Ob mich ein Bild anspricht oder berührt, liegt in dem, was ich den poetischen Moment bezeichnen möchte.
Werkbeispiele
Nikolaus Korab, Portrait Brigitte Kowanz, Wien 1998
Silbergelatine-Print, 44,5 x 44,5cm
Foto: Niklaus Korab
© Bildrecht, Wien 2026
Nikolaus Korab. Portrait M.Z., Wien 1985
Silbergelatine-Print 23 x 30cm
© Bildrecht, Wien 2026
Nikolaus Korab, Raumflucht, NÖ 2014
Silbergelatine-Print 80 x 60cm, dibondkaschiert
Foto: Niklaus Korab
© Bildrecht, Wien 2026
Nikolaus Korab, Leerraum, NÖ 2014
Silbergelatine-Print 80 x 60cm, dibondkaschiert
Foto: Niklaus Korab
© Bildrecht, Wien 2026